Am Meer angekommen!

Ist Wasser für uns Radsportler nicht eine Grundvoraussetzung? Wir trinken es während der Fahrt, kühlen uns im Sommer damit ab. Und manch einer greift mehr, manch anderer weniger auf das flüssige Allroundmittelchen zurück, um sich selbst oder eben auch sein Gefährt nach einer verregneten Wasserfahrt wieder in altbekannten Glanz zu versetzen.

Insofern ist nur allzu logisch, dass es auch bei der diesjährigen Mehrtagestour immer wieder Begegnungen mit dem kühlen Nass gegeben hat. Und damit sind wir bereits direkt am Ende der Fahrt angelangt: Insgesamt erreichten 21 Rennradler, darunter 16 Kinder, das auserkorene Ziel im Nordwesten Hannovers, in dem sich rund 50 Millarden Liter Wasser befinden: das Steinhuder Meer, das entgegen der Suggestion seines Namens größter See Niedersachsens ist. Nach rund 250 Kilometern Fahrt in drei Tagen, die alle Nachwuchsakteure bravourös meisterten, bildete eine Abkühlung im Steinhuder Meer die Belohnung – und auch der Sandstrand der Badeinsel, der nach vielen Stunden Pedaliererei zumindest ein Stückweit Urlaubs- und Erholungsfeeling versprühte. Nach der Erfrischung am späten Mittwochnachmittag und drei Tagen Radsport pur ging es mit dem Tuspo-Bus und dem Zug zurück nach Göttingen, um sicherzustellen, dass die emsigen Kinder nur 14 Stunden nach ihrer Ankunft am Steinhuder Meer ihren ersten Schultag nach den Sommerferien in Angriff nehmen konnten…

Im Vergleich zur Fahrt zum Brocken 2016 wurden in diesem Jahr zwar mehr Kilometer gesammelt, allerdings weniger Höhenmeter. Am Montagfrüh ging es mit gefüllten Wasserflaschen und reichlich Motivation in Trikottaschen und Rucksäcken zunächst über Dransfeld nach Bursfelde an die Wassermassen der Weser, wobei der Weserradweg uns fortan nach Norden führen sollte. Die Herkulesaufgabe an Tag eins? Eine knackige Steigung von 25 Prozent nach etwa zwei Dritteln der Gesamtstrecke. Unterwegs zauberten uns bei prächtigem Sonnenschein eine handvoll Alpakas nahe Wahlsburg sowie, immer wieder, Schattenplätze ein Lächeln ins Gesicht.  Der erste nächtliche Boxenstopp erfolgte im Kloster Corvey in Höxter nach rund 90 Kilometern – allerdings nicht ohne eine vorherige, dreifache Begegnung mit dem eingangs genannten Radsportler-Überlebenselixier: In einer der Pausen wurde ein kühles Tretbecken von manch einem zum Planschbecken umfunktioniert; am Nachmittag blieb ausreichend Zeit für einen „Dip“ im Badesee der strandatmösphäreversprühenden Freizeitanlage Höxter. Und beim Abendessen sprudelten nicht nur Worte und Geschichten – sondern auch ganz viel Mineralwasser, das neben dem Broccoli-Gratin vertilgt wurde. Überflüssig zu erwähnen, mit welchem probaten Multifunktionsmittel das Lagerfeuer, über dem zu später Abendstunde noch Marshmallows brutzelten, gelöscht worden ist.

Am zweiten Tage warf Wasser in Form von Regen uns aus dem Konzept: Eigentlich war eine Querung des kleinen Gebirges nach Bad Pyrmont angedacht gewesen – doch aufgrund der düsteren Wetterprognose entschlossen wir uns für die höhenmeterärmere Tour entlang der Weser und wählten damit flache 70 Kilometer zur zweiten Unterkunft in Hameln. Das Wasser blieb steter Begleiter: Spätestens bei unserem improvisierten Stop an der Sommerrodelbahn in Bodenwerder konnten selbst die optimistischsten Optimisten kaum leugnen, permanent berieselt zu werden. Und während man in die dennoch strahlenden Gesichter der rodelnden Kinder blickte, ertappte man sich unweigerlich dabei, eine ziemlich kopfschüttelnerregende Erkenntnis zu generieren: „Hach“, fragte man sich, „Was gibt es bloß Schöneres, als im Sommerregen Sommerrodelbahn zu fahren?“

Darüber hinaus kamen wir dem Wasser nahe, als wir die Fähre in Grohnde zum Übersetzen über die Weser nutzten. Und auch am frühen Abend in der Hamelner Innenstadt, wo wir Wasser in besonderer Form zu uns nahmen: Wasser halbfest, halbflüssig, dazu mit obskurem Geschmack wie etwa Schokolade, Melone oder Stracciatella – und dazu noch in Ballform.
Stichwort „Ball“ und „Wasser“: Beim abendlichen Fußball- und Frisbeespielen im Jugendherbergs-Garten wurde die Betreuersorge, dass die Sportgeräte ins unmittelbar benachbarte Weser-Wasser fallen könnten, letztlich und glücklicherweise  nicht in der Praxis bestätigt.

Tag drei erforderte ein Verlassen des Weser-Radweges, um nicht dem Weserverlauf gen Nordwesten zu folgen, sondern nach Norden zu strampeln. Wenn man so will, stand eine ewig lange „Zielgerade“ von 70 Kilometern bevor. Wege und Straßen waren weniger rennradlerfreundlich als noch am Weserradweg, die Streckenführung komplizierter. Doch auch diese abschließende Hürde wurde von allen Kids gemeistert. In Bad Nenndorf gab es einen Besuch im sehr empfehlenswerten Kurpark – mit plätscherndem Brunnenwasser und Minigolf. Und nur eine gute Stunde später kamen alle Gruppen allmählich dem Steinhuder Meer ganz nahe. Wobei Tatendrang selbst nach drei Tagen Dauer-Radelei offensichtlich noch reichlich vorhanden war: Als die Ausschilderung „Steinhude 6 km“ zu lesen war, erhöhte sich in der Gruppe plötzlich merklich das Tempo. Warum das so sei, wollten wir Trainer wissen. „Endspurt!“, so lautete die prompte Antwort aus motivierten Mündern.

Was bleibt als Fazit zum Abschluss? Vor allem ein ganz großes Dankeschön an alle, darunter der Landessportbund Niedersachsen, die diese Fahrt unterstützt haben. Und zugleich ein großes Lob an die Gruppe, in der selbst einige Hinfaller den Fahrspaß sowie den Willen, das ultimate Ziel zu erreichen, nicht trüben konnten. Die Harmonie innerhalb der Gruppen war wahrlich außergewöhnlich und damit herausstellenswert: Drei Tage ohne jeglichen Streit oder Nörgelei stellte auch für die Betreuer ein Erlebnis mit absolutem Vorbildcharakter dar. Die Erkenntnis liegt nahe, dass das gemeinsame und klar definierte Ziel automatisch für Zusammenhalt innerhalb der Gemeinschaft sorgte. Ferner soll Folgendes nicht unerwähnt bleiben: Ein riesengroßes Dankeschön geht an Carolin, Jasper, und Lennart, die die Fahrt und die Kinder auf ihrem Weg begleitet und damit für den reibungslosen Ablauf einer Tour gesorgt haben, die hoffentlich noch lange in positiver Erinnerung bleiben wird. Wer kann schließlich schon von sich behaupten, von seinem Wohnort aus allein mit Muskelkraft zum Meer geradelt zu sein? Es scheint, als würde einer Neuauflage 2018 nichts im Wege stehen – mit welchem Zielort auch immer. Und dabei wird Wasser zweifelsfrei einmal mehr treuer Begleiter der Radsportler sein!

von Timo

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