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Von wegen Radhosen! – Tag 1

Manchmal liegt das Gute so nahe – und gedanklich doch so fern: Seit Jahren ist im Tuspo-Nachwuchs-Trainings-Jargon das Wort „Leineradweg“ eine der am häufigsten genutzten Vokabeln; die Radrennbahn liegt im SVG-Stadion am Sandweg – und der wiederum bringt es in den Regionalzeitungen ab und an zu Schlagzeilen, weil er von der Leine überschwemmt wird.
Aber erst heute wurde etwas für Radsportler sooo Gutes gefunden, das unmittelbar mit dem Göttinger Fluss zusammenhängt: Denn nach dem morgendlichen Training am ersten Tag des Tuspo-Flüchtlingscamps war die Erschöpfung den insgesamt zwölf Teilnehmern aus Syrien, Eritrea, Afghanistan, Somalia, und dem Kososovo  deutlich ins Gesicht geschrieben. Nicht nur das Training auf der Radrennbahn war schließlich intensiv gewesen, sondern mehr noch die Sonne am strahleblauen Himmel. Appetit verspürte kaum jemand, obwohl für 12.30 Uhr das gemeinsame Mittagessen angesetzt war – und nach inzwischen dreieinhalb Stunden Sportelei bahnte sich ein Mü von Demotivation an. Was tun? Der Wendebachstausee, der eine Erfrischung hätte bringen können, hat vorübergehend ausgedient – und kann eigentlich nur noch als „Wende“ bezeichnet werden. Ein Eis wäre auch geschmolzen, bevor man es bezahlt hätte. Und so reifte die bahnbrechende wie genial einfach Idee, die Radsporthosen (vielen Dank an alle Spender – ihr seid großartig!) doch einfach mal in der Leine auf ihre Funktion als Schwimmhosen hin zu überprüfen.
In Perlenschnur aufgereiht wurde der nur 2 Kilometer lange Weg (die erste gemeinsame Ausfahrt im „Straßenverkehr“, die zwar ein mulmiges Gefühl, aber keinen Sturz erbrachte…) in Angriff genommen. Insgesamt 15 Rennräder wurden am Ufer niedergelegt – und nachdem erste Berührungsängste beseitigt waren, konnte im hüfthohen Wasser geplanscht, geschwommen und Energie getankt werden. Erfrischung ohne Grenzen. Ja: Wir waren förmlich gar nicht mehr aus der Leine herauszubekommen. Zumal die Radhosen hervorragend ihre Zweitfunktion als Badehose erfüllten – und manch einer der Teilnehmenden von dem vielseitig einsetzbaren Stoff offenbar so angetan war, dass er die Träger gar nicht erst von seiner Schulter schieben wollte, was wiederum ein bemerkenswertes Bild ergab…
Die Motivation stieg in jedem Fall wieder rasant an. Wie neugeboren kamen wir eine halbe Stunde später wieder im SVG-Stadion an, fielen über das Mittagessen her und schritten zur eigentlich geplanten Ausfahrt, um anschließend im Stadion noch ein paar schnelle Runden zu drehen.

Wir lernen daraus etwas, das wir ohnehin schon wussten: Im Camp-Programm sind die besten Ideen nicht selten die spontansten. Und vermutlich noch etwas: Wenn an einem heißen Sommertag beim Nachwuchstraining die Rede von einer „Extraschleife am Leineufer“ ist, dann bedeutet das nicht zwangsläufig einen radsportlichen Trainingsertrag…
Nebenbei bemerkt: Die Idee ist, an jedem Abend ein kleines Resumee zu verfassen, sofern die am Camp-Abend noch zur Verfügung stehenden Stunden das zulassen.
Und, im Hinblick auf einen weiteren kleinen Spendenaufruf: Die Kleidung der Flüchtlinge auf dem Foto ist kein Vergleich zu jener, mit der sie im Stadion ankamen: Jeans und T-Shirt waren dort der Standard. Für morgen haben sich einige weitere Akteure angekündigt, die der Wahrscheinlichkeitsrechnung zufolge auch in Jeans erscheinen werden. Und vor allem mit Sicherheit ebenfalls die Doppelfunktion von Radsporthosen erleben möchten 🙂

Ein Dank gilt nicht nur den Spendern von Helmen, Hosen und Trikots. Sondern auch Naturkost Elkershausen für die exzellente Verpflegung und natürlich auch allen anderen, die – z.B. durch die Unterstützung vor Ort – zum Gelingen des Projekts beitragen.